Glashütte (Museumsort) bei Baruth / Mark   im Urstromtal

Bild:Ofenanlage

Wie ein Nichtfachmann die Glasfabrikation schildern würde:
von Direktor Alfred Kaiser
Glashütte b. Baruth/ Mark
im Jahre 1938

Bild:A.Kaiser
Direktor Alfred Kaiser
geb.1864      + 1967

Bild:Pokal
Bild:VaseV1
Bild:Vase
Bild:Confektdose

Bild:Pokal

Das Glas ist kein direktes Natur=, sondern ein Kunstprodukt .Es wurde schon lange vor Christi Geburt , wahrscheinlich durch Zufall, erfunden. In der Hauptsache besteht das gewöhnliche Kristallglas aus Quarzsand, sowie Soda, oder Pottasche und aus Kalk oder kreidehaltigen Erden.
Diese Bestandteile werden gut vermengt, in einem dazu bestimmten Gefäß, Hafen genannt, der in einem über 1200 bis 1500 Grad Celsius erhitztem Ofen steht, geschmolzen. Die Schmelzzeit wird meistens auf die Nachtzeit verlegt, damit die Vorbereitung, welche viel Geschicklichkeit erfordert, bei Tage erfolgen konnte.
Die Verarbeitung geschieht in der Weise, dass der Glasmacher mit einem eisernen Rohre aus dem Hafen etwas Glas herausnimmt. Da das Glas, der Beschaffenheit nach, dem dicken Sirup ähnelt, so muss das Rohr in rotierende Bewegung gebracht werden, um das Glas an der Spitze aufzuwickeln.
Zuvor aber muss die Rohrspitze etwas erwärmt werden, sonst haftet das Glas nicht an derselben. Wenn dieser kleine Posten Glas genügend erkaltet ist, so wird ein größerer Posten aufgewickelt, so viel eben zu dem betr. Artikel, der hergestellt werden soll, nötig ist. Dieses Glas wird bei fortwährendem Drehen mit Zangen und Scheren, sowie Hölzern schnell und geschickt bearbeitet, um dann in eine Form eingeblasen zu werden, damit es die gewünschte Gestalt bekommt, welches wieder durch das Blasen in das Eisenrohr geschieht.
Wenn das Glas aus der Form kommt, so muss es zur langsamen Abkühlung in einem dazu bestimmten, so genannten Kühlofen gebracht werden, da es spröde ist, und sonst gleich zerspringen würde. Wenn es genügend erkaltet ist, so kommt es meistens zur weiteren Verarbeitung in die Schleiferei, wo es verschiedentlicher Veredlung unterliegt. Zum Schleifen werden meistens rotierende Räder aus Eisen, Stein, oder Holz verwendet. Es kann auch mit Diamanten geschnitten werden, sowie mittels Stichflamme gesprengt werden. Mit Sandstrahlgebläse, mittels Ätzerei ( Säure) und auch durch Schliff und Gravieren können auf den Gläsern die verschiedenen Muster erzeugt werden.
Außer Kristallglas werden alle erdenklichen Farben erzeugt, indem man die verschiedensten Zusätze zu dem ursprünglichen Glassatze, vor der Schmelze, beimengt. z.B. zu dem Milchglas wird in der Hauptsache Kryolith beigemengt. Auch können als Färbemittel die verschiedensten Metall=Oxyde zur Verwendung kommen.
Kobald=x färbt blau, Eisen=Oxyd färbt grün,
etc.
Die hohe Schmelzhitze wird durch Gasfeuerung erzielt, welche meistens durch Siemens Gasgeneratoren erzeugt wird. Die Häfen, in welchen das Glas geschmolzen wird, sowie der ganze Ofen, müssen aus gutem feuerfesten Material hergestellt sein, damit dieselben dieser großen Hitze längere Zeit Widerstand leisten können.
Das Feuer darf, solange der Ofen in Betrieb bleiben soll, nicht ausgehen, sonst würden Ofen und Häfen unbrauchbar werden.

Anmerkung: "Diese Ausarbeitung  von Alfred Kaiser" wurde im Jahre 1938 durch die Buchdruckerei J.Särchen, Baruth/Mark veröffentlicht und hier mit Schrift und zusätzlichen Bilder wiedergegeben .

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